Nachmetaphysisches Denken?
kritische Anfragen an Jürgen Habermas
📘 About This Book
Als Antwort auf die von ihm in der Gegenwartsphilosophie beobachteten Tendenzen einer Rückkehr zu metaphysischen Denkformen hat Jürgen Habermas unter dem Eindruck des »Zusammenbruchs der systematischen Philosophie« sowie einer angeblich unwiderruflich an ihr Ende gelangten »großen Tradition« den darin bestimmenden »Aspekten metaphysischen Denkens« seine nunmehr als maßgebend angesehenen »Motive nachmetaphysischen Denkens« entgegengestellt. Diese Kritik an den traditionellen metaphysischen Denkformen - in ihren maßgebend gewordenen Gestalten des »ontologischen Paradigmas« sowie der neuzeitlichen »Theorien der Subjektivität« - begründet nicht nur seine Bestimmung des unter den Bedingungen gegenwärtiger Rationalitätsstandards noch vertretbaren Stellenwerts und der Aufgabenstellung der Philosophie. In Aufnahme maßgebender junghegelianischer Leitmotive sowie in besonderer Rücksicht auf die in der Entwicklung der neueren Sprachphilosophie ausgebildeten nachmetaphysisch bestimmenden Denkhorizonte weiß Habermas eine zeitgemäße, d. i. auf ein »nachmetaphysisches Selbstverständnis verpflichtete Philosophie« gleichermaßen von überzogenen traditionellen Ansprüchen wie von aporetischen Fragestellungen und angebotenen Problemlösungen befreit, die zugleich auch die Prämissen und Grundlagen des von ihm vorgestellten umfassenden Programms einer »Theorie der Rationalität« enthält. Aus diesen theoriegeschichtlichen Perspektiven resultiert aber auch die gewiß bemerkenswerte Diagnose, derzufolge in der »Ablösung des Bewußtseinsparadigmas« durch das »Paradigma der Verständigung« die eigentliche philosophische Leistung unserer Epoche zu erkennen sei. Die Berechtigung dieses aus Habermas'' philosophischer Gegenwartsdiagnose abgeleiteten Paradigmawechsels und der damit erhobenen Ansprüche ist freilich nur in einer genauen Analyse zu erhellen. Allein dies erlaubt auch eine Entscheidung darüber, ob die für die Gegenwartsphilosophie als maßgebend angesehenen »nachmetaphysischen Motive« mit ihrer Interpretation und der in ihnen enthaltenen bzw. vorausgesetzten Kritik der traditionell bestimmenden »metaphysischen Denkformen« in der ontologischen Tradition und in Gestalt neuzeitlicher Transzendentalphilosophie (besonders Kants und Fichtes) den schon erreichten philosophischen Problemstand dieser für die europäische Philosophie maßgeblichen Denkformen unverkürzt bewahren. Dies gilt nicht zuletzt auch bezüglich der im Rahmen seiner Entfaltung dieses »Paradigmas der Verständigung« erfolgten produktiv-aktualisierenden Anknüpfung an Humboldts Sprachdenken, dem Habermas aufgrund der darin - wenigstens prinzipiell - vollzogenen Korrektur »subjektphilosophischer« Engführungen für die Begründung und Entfaltung des »kommunikationstheoretischen Ansatzes« besondere Bedeutung beimißt und insbesondere deren Bedeutung für die in einer »Theorie der kommunikativen Vernunft« zu leistenden Umstellung der Intersubjektivitätsthematik auf die »Prämissen der Sprachphilosophie« würdigt. Die Überprüfung der Rechtmäßigkeit solcher Inanspruchnahme Humboldts setzt freilich die im zweiten und dritten Teil vorgestellte Auseinandersetzung mit Habermas'' Kritik der neuzeitlichen Subjekt-(Selbstbewußtseins-)konzeptionen voraus. Mit besonderer Rücksichtnahme auf das Selbstverständnis der nach Habermas obsolet gewordenen und deshalb verabschiedeten Lehrstücke und Positionen werden die genannten Themen und die gemäß den vorgestellten programmatischen Linien festgemachten Kritikpunkte seiner Metaphysik-Kritik nachgezeichnet. In kritischer Absicht versucht der Autor, die damit verbundenen Ansprüche zu sondieren, um auf diese Weise ein angemessenes Urteil über die Legitimität der von Habermas so unnachgiebig geltend gemachten Verabschiedung »metaphysischer Denkformen« zu gewinnen. Damit einen Beitrag zur Klärung der Frage zu leisten, ob die an Habermas'' Metaphysik-Kritik geknüpften Ansprüche eines »Paradigmawechsels« tatsächlich einer genaueren Prüfung standhalten und ob so weitreichende, die metaphysische Tradition und ihre Leitthemen überhaupt in Frage stellenden Konsequenzen auch in philosophisch plausibler Weise einzulösen sind - dies ist die leitende, in thematischer Hinsicht genau abgegrenzte Absicht dieses Buches.
📖 Summary
Rudolf Langthaler's 1997 philosophical work, Nachmetaphysisches Denken?, spans 442 pages and engages deeply with the contemporary landscape of philosophy, specifically focusing on the critical juncture where traditional metaphysics meets modern and post-metaphysical thought. At the heart of the book is an examination of Jürgen Habermas's influential response to modern philosophical trends. Habermas, reacting against what he observed as a potential return to traditional metaphysical modes of thinking, formulated his own motives of post-metaphysical thinking. This theoretical shift occurred under the powerful influence of the perceived collapse of systematic philosophy and the notion that the grand tradition of metaphysics had reached an irrevocable end. Habermas systematically contrasted these traditional paradigms with his newly established motives for a post-metaphysical era. Langthaler meticulously explores Habermas's wide-ranging critique of traditional metaphysical forms, which primarily manifest in two historically dominant shapes: the ontological paradigm and the modern theories of subjectivity. According to the foundational premise analyzed by Langthaler, this rigorous critique does much more than merely dismantle historical modes of inquiry. Instead, it serves as the essential basis for Habermas's redefinition of the legitimate status, role, and fundamental tasks of philosophy under the rigorous conditions demanded by contemporary standards of rationality. Throughout the volume, Langthaler unpacks the philosophical implications of this transition. He examines whether abandoning traditional metaphysics truly closes the door on systematic philosophy or if alternative pathways remain viable within contemporary discourse. The book offers a thorough and critical engagement with the tension between post-metaphysical pragmatism or communicative rationality and the enduring questions that inspired classical ontological and subjective frameworks. By analyzing the contours of this debate, Langthaler provides readers with a comprehensive look at how late-twentieth-century philosophy negotiated its own past, addressed the limits of reason, and sought to establish a defensible framework for philosophical practice in a secularized, pluralistic world. Scholars of contemporary continental philosophy, epistemology, and the history of ideas will find the text to be a rich, detailed exploration of the debates surrounding the end of metaphysics and the ongoing evolution of rational discourse.
🎯 Key Lessons
⚖️ Pros & Cons
✅ Pros
Offers a rigorous and detailed examination of contemporary philosophical debates
Engages deeply with the influential ideas of Jürgen Habermas
Provides a thorough critique of ontological paradigms and theories of subjectivity
Helps clarify the role and tasks of philosophy in a post-metaphysical age
⚠️ Cons
Dense academic prose may be challenging for general readers
Assumes prior familiarity with modern continental philosophy and metaphysics
❓ FAQ
Who is the author of Nachmetaphysisches Denken? +
The author is Rudolf Langthaler.
When was the book published? +
It was published in 1997.
How many pages does the book contain? +
The book contains 442 pages.
Which major contemporary thinker's work is central to the book's analysis? +
The work centers heavily on the philosophical positions and critiques of Jürgen Habermas.
What primary philosophical shift does the book explore? +
It explores the transition from traditional metaphysical paradigms to post-metaphysical motives under modern rationality standards.






